Bericht in der Esslinger Zeitung am 23.06.07

Erstellt: Tuesday 26 im June, 2007

Wettervorhersage einmal anders


23.06.2007

Der Triathlet Bernd Kiesel aus Aichwald hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich


Aichwald - Die Narbe am Kehlkopf ist schon verblasst, nur wer genau hinsieht erkennt den Schnitt, den der Chirurg vorgenommen hat, um über diesen Zugang im Halswirbelbereich eine Prothese aus Titan einzusetzen. Als ich aus der Narkose aufgewacht bin, hatte ich keine Schmerzen mehr und habe als erstes gesagt: ich bin wieder gesund, erzählt Bernd Kiesel über den Eingriff in der Esslinger Schelztorklinik. Seit dieser Operation im Juni des vergangenen Jahres ist der Triathlet aus Aichwald wieder voll belastungsfähig und kann seiner großen Leidenschaft nachgehen.

Schmerzen. Nichts als Schmerzen. Auf einer Skala von null bis zehn hat Kiesel notiert, wie es ihm geht. Meistens nicht gut. Meistens unerträglich schlecht. Angefangen hat es vor sechs Jahren mit Kreuzschmerzen. Ich habe mir zuerst nichts daraus gemacht, Rückenprobleme hat schließlich jeder einmal, sagt der 39-Jährige, der schon im Jahr 1995 den legendären Hawaii-Triathlon (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, danach ein Marathon) hinter sich gebracht hat. So einer lässt sich wegen eines Zwicken im rückwärtigen Bereich nicht aus der Bahn werfen. Doch dann schläft ihm immer wieder der rechte Arm ein. Es folgt eine Behandlung, bei der die Spritze und die Infusionsflasche zu den besten Freunden werden. Bis dann im Oktober 2005 die Diagnose kommt: Bandscheibenvorfall. Operieren lassen empfehlen die Ärzte. Das geschieht im Juni 2006.

Ein fast perfekter Wettkampf

Seit dem Eingriff ist Kiesel wieder ganz der Alte. Das bedeutet: Ziele setzen, konsequentes Training. So hat er sich fast schon vom OP-Tisch aus wieder auf das Rad geschwungen (Die Ärzte haben die Hände über den Kopf zusammengeschlagen), um das Ausdauerdefizit so schnell wie möglich auszugleichen. Gymnastik zur Stärkung der Nackenmuskulatur gehört ohnehin zum täglichen Programm. Dass er seinem Körper durch den Sport zu viel zugemutet hat und er seinem unwiderstehlichem Bewegungsdrang die Schuld an der Erkrankung gibt - diese Frage stellt sich nicht. Kiesel sagt: Ein Bandscheibenvorfall ist eine Volkskrankheit. Meine Verletzung schiebe ich nicht auf den Sport. Es war die erste ernsthafte Verletzung. Sport ist für mich eine Lebenseinstellung. Und ich wollte so nicht aufhören.

Radfahren, schwimmen, laufen, das ganze Programm hat er wieder drauf und in St. Pölten hat er sich als Dritter der Altersklasse M 40 für die Weltmeisterschaften über die halbe Ironman-Distanz in Clearwater im US-Bundesstaat Florida am 11. Oktober qualifiziert. In Österreich hat er für 1,9 Kilometer im Wasser 29 Minuten benötigt, die 90 Kilometer auf dem Rad in 2:32 Stunden heruntergespult und den Halbmarathon in 1:30 Stunden bewältig. Es war ein fast perfekter Wettkampf. Und damit gleichzeitig der Nährboden für den Plan, 2008 in Hawaii noch einmal an den Start zu gehen. Die Qualifikation dafür wird er voraussichtlich in Kanada absolvieren und auch dort von einem Phänomen profitieren, das ihn seit der Operation begleitet. Ich spüre, wenn das Wetter umschlägt, grinst Kiesel. Das ist für die Trainingsplanung ideal.

 



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